Eine PV-Freiflächenanlage produziert Strom – aber nicht immer dann, wenn er gebraucht wird oder wenn die Preise hoch sind. Genau hier setzt die Diskussion um Batteriespeicher (BESS – Battery Energy Storage System) an. Doch lohnt sich die Investition wirklich? Die Antwort hängt von mehr ab als dem reinen Stromertrag.
Das Problem: §51 EEG trifft Betreiber unvorbereitet
Viele Betreiber von Freiflächenanlagen kennen §51 EEG noch nicht aus eigener Erfahrung. Die Regelung besagt: Wenn der Börsenstrompreis für mindestens sechs aufeinanderfolgende Stunden negativ ist, entfällt die EEG-Vergütung für genau diesen Zeitraum.
Was theoretisch klingt, wird in der Praxis zunehmend relevant. Negative Strompreise treten häufiger auf – besonders an sonnenreichen Wochenenden im Frühjahr und Herbst, wenn viel Solarstrom ins Netz fließt und gleichzeitig die Nachfrage gering ist. Für eine 5 MWp-Anlage kann das schnell fünf- bis sechsstellige Ertragsausfälle pro Jahr bedeuten.
Was ein Batteriespeicher leisten kann
Ein BESS löst gleich zwei Probleme gleichzeitig:
- §51-Schutz: Bei negativen Preisen wird der Speicher geladen statt einzuspeisen – die Vergütung bleibt erhalten
- Arbitrage: Günstiger laden (Mittagstal), teuer entladen (Abendspitze) – die Preisdifferenz wird zur Einnahmequelle
In einer konkreten Projektanalyse für eine Freiflächenanlage im süddeutschen Raum ergab sich folgendes Bild:
§51-Ausfall ohne Speicher: ~77.000 € pro Jahr
BESS-Arbitrageerlös: ~130.000 € pro Jahr
Gesamtvorteil gegenüber Betrieb ohne Speicher: >200.000 € pro Jahr
Warum der LCOE entscheidend ist
Der entscheidende Kennwert für Batteriespeicher ist der LCOE – Levelized Cost of Energy, also die Kosten je gespeicherter und wieder abgegebener Kilowattstunde über die gesamte Lebensdauer. Er berücksichtigt:
- Investitionskosten (inkl. Ersatz der Batteriezellen nach ~12 Jahren)
- Degradation der Kapazität (~1,7 % pro Jahr)
- Betrieb & Wartung
- Kapitalkosten (Diskontierungszins)
Liegt der LCOE unter dem erzielbaren Arbitragepreis, ist der Speicher wirtschaftlich. Bei aktuellen Investitionskosten von 300–400 €/kWh Speicherkapazität und einem Diskontierungszins von 5–6 % bewegt sich der LCOE typischerweise zwischen 250 und 350 €/MWh – je nach Auslastung und Degradation.
Was Energiegenossenschaften beachten müssen
Für Energiegenossenschaften, die Freiflächenanlagen betreiben, kommt eine weitere Dimension hinzu: Der Businesscase muss gegenüber den Mitgliedern transparent und nachvollziehbar sein. Eine belastbare Wirtschaftlichkeitsanalyse mit Szenariorechnung – pessimistisch, Basis, optimistisch – ist hier keine Kür, sondern Pflicht.
Besonders relevant: der Wechsel von stündlicher auf 15-minütige Preiszone bei der Direktvermarktung. Der Nettovorteil durch feinere Preisauflösung kann je nach Anlagenprofil 15.000–25.000 € pro Jahr zusätzlich ausmachen.
Fazit: Rechnen bevor investiert wird
Ein Batteriespeicher ist kein Selbstläufer – aber bei richtiger Auslegung und fundierter Analyse ein wirtschaftlich attraktives Investment. Die Grundlage ist immer eine ehrliche Modellierung: mit realen Ertragsdaten, aktuellen Großhandelspreisen und einem vollständigen NPV über 20 Jahre.
Wer diese Analyse nicht selbst durchführen kann oder möchte, sollte sie extern beauftragen – bevor die Investitionsentscheidung fällt, nicht danach.